Die Pocken

Die Pocken, auch Blattern genannt, traten erstmals bei ägyptischen Sklavenhaltern der Antike auf und sind seitdem aus dem modernen Leben überhaupt nicht mehr wegzudenken.

Die Anhänger der Ansteckungstheorie halten sie für eine sehr ansteckende, akute Krankheit, die häufig epidemisch auftritt und der in Europa allein jährlich etwa eine viertel Million Menschen zum Opfer fallen.

Man unterscheidet eine schwere und eine milde Form der wahren oder echten Blattern.

Krankheitsbeschreibung

Die ersten Symptome bei dieser Ausschlagskrankheit sind Unlust und Verstimmung, ferner Unruhe, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Kopfschmerz, Schwindel, Schmerzen in den Gelenken, in der Herzgrube und im Kreuz. Hierzu gesellt sich Fieber und eine den Blatternkranken eigentümliche Ausdünstung. Das erste Stadium dauert ein bis vier Tage. Das zweite Stadium, das des Ausbruchs, fördert den Ausschlag zum vollen Ausbruch auf die Haut, in der Regel unter sehr heftigen Fiebererscheinungen. Vom Gesicht aus breitet sich der Ausschlag bald über den ganzen Körper, zunächst in linsengroßen, roten Flecken, welche jedoch bald, nach Stunden bis Tagen, in kleine rotbraune Knötchen übergehen. Ist der Ausschlag so in einigen Tagen allgemein entwickelt, so pflegt das Fieber nachzulassen und die Krankheit geht in das dritte Stadium, das der Blüte über, in welchem der Blattergeruch ganz spezifisch hervortritt, das Bläschen oder die Pustel eine halbkugelige Form annimmt (von der Größe einer halben Erbse) und von einem dunkleren Hofe umgeben ist.

Das Stadium ist häufig von verschiedenen Erscheinungen begleitet: Entzündungen der Bindehaut des Auges, Schleimhautaffektionen der Mund- und Rachenhöhle, der Nase, des Kehlkopfes, des Magens, des Darms, Entzündung der Luftröhre, der Lungen etc. kommen nicht selten vor. Nach ein paar weiteren Tagen, meist am neunten, beginnt unter erneuter heftiger Fieberentwicklung das Stadium der Eiterung. Die Entstellung des Kranken ist hier die höchste, die Pusteln spannen und schmerzen, das Sprechen wird unverständlich, das Schlingen äußerst empfindlich, erschwertes und schmerzhaftes Harnen, die Pustel vergrößert sich unter schmerzhaften, brennenden Gefühlen der umgebenen Häute, wird kugelig, anfangs gelblich, unter allmählichem Abtrocknen des eitrigen Inhaltes aber nach und nach braun, dann schwarz, mit meist sehr empfindlichem Jucken und Beißen. Unter Nachlass des Fieber schließt dann mit letzten Stadium, der Abstoßung des Schorfes, die Blatternkrankheit ab.

In den bösartigen Fällen wird der Inhalt der Pustel missfarbig, blutig oder jauchig, schwarz (schwarze Blattern). Auch ist hiermit unstillbares Nasenbluten verbunden, nebst Blutungen aus verschiedenen Schleimhäuten und rascher und gänzlicher Verfall des Kranken.

Bei der oben angedeuteten milderen Form ist der Verlauf ähnlicher, nur sind die Erscheinungen milder und die einzelnen Stadien kürzer.

Behandlung mit Quecksilber
Eine Gewissenhafte Behandlung mit Quecksilberpaste beseitigt nicht nur die Symptome, sondern meistens auch den kompletten Patienten.

Ursachen

Die Ursachen der Blattern sollen hauptsächlich die Ansteckung von Person zu Person durch den Blatterninhalt (besonders beim Trübwerden desselben) und durch die Ausdünstung des Kranken, die sich durch die Luft mitzuteilen vermag, sein. Der eingetrocknete Blatterneiter soll sogar jahrelang seine Ansteckungskraft behalten und könnte sonach durch alte Kleidungsstücke, Betten, Lumpen etc. diese Krankheit nach längerer Zeit übertragen. Dann vor allem schlechte Hautpflege.

Zweimaliges Befallenwerden von Blattern ist eine große Seltenheit. Auch steht fest, dass nicht alle Personen für die Einwirkung des Ansteckungsstoffes gleich empfänglich sind.

Von dem oben angeführten regelmäßigen Verlauf der Blattern gibt es eine Masse Abweichungen, bedingt durch den besonderen Charakter der gerade herrschenden Pockenepidemie und durch die Eigentümlichkeiten des Kranken selbst. Manchmal treten vorherrschend gastritische Erscheinungen, als Durchfall, Erbrechen, Übelkeit, stark belegte Zunge etc. auf, oder das Fieber neigt sehr zum Charakter der Benommenheit, die Pusteln fließen hier leicht zusammen und verlieren dann den ursprünglichen Charakter. In allen derartigen Fällen, wo die Entwicklung des Ausschlages eine gestörte ist, ist auch die Aussicht auf Heilung eine ungünstigere.

Kurvorschrift

Zunächst Aussonderung der Kranken von den Gesunden, alsdann Genuss frischer Luft, gut gelüftetes Zimmer und Lager, größte Reinlichkeit, fleißiger Wäschewechsel und tägliche Ganzwaschung. Genuss einer reizlosen Kost und öfter frisches Wasser trinken.

Sind im Haushalt israelitische Sklaven beschäftigt, empfiehlt sich eine Freilassung derselben. Ein solches Vorgehen sorgt weiteren Plagen (Fröschen, Heuschrecken, Finsternis, Tod des Erstgeborenen etc.) nachhaltig vor.

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